Cluburlaub

Als ich eine junge Frau war, reiste ich mit Mann und Kind in den Urlaub. Als sich die private Lage änderte, verreiste nur noch mit der kleinen Tochter, beschäftigt mit mütterlicher Fürsorge. Wir waren immer zusammen, im Zimmer, im Restaurant, am Meer, bei Ausflügen. Jahre später – ich erinnere mich an meine damalige Verblüffung – lag ich abends alleine im Hotelbett in Portugal. Die Tochter war noch aus. Sie verreiste gerne mit mir, aber sie hatte auch eigene Interessen. Das Kind war erwachsen geworden. Es fand schneller als ich das Gate beim Einchecken, wuchtete unsere Koffer aufs Band, orientierte sich mühelos in fremden Städten. Die Fürsorge verkehrte sich mit den Jahren.

Seit einiger Zeit hat die Tochter einen festen Freund, jetzt reisen machen die beiden zusammen Urlaub-

Nun könnte ich ja mit einer Freundin verreisen. Aber ab einem gewissem Alter umgibt weibliche Zweckbündnisse ein Hauch von Resignation. Ich habe solche Frauenpärchen oft gesehen, sie trugen Wanderschuhe und Sonnenhüte. Sie interessierten sich bei Exkursionen für die Landeskultur und fotografierten schon aus dem fahrenden Bus. Sie frühstückten früh, sie gingen früh schlafen. Diese Frauen, immer zu zweit, waren nicht auf Abenteuer aus. Wahrscheinlich haben sie sich gut erholt.

Ich bin noch nicht so weit, in Deckung zu bleiben.

Aus mir ist eine Club-Urlauberin geworden.

Keine schlechte Lösung – viel Komfort, und an das Duzen gewöhnt man sich, aber es gehört trotzdem Mut dazu, allein auf einen großen Tisch zuzusteuern, an dem sich alle zu kennen scheinen. Mich kennt keiner. Das letzte Mal landete ich in einem so genannten ABBA-Club. Zunächst glaubte ich, damit sei ein gewisser Sound gemeint, aber das Kürzel meint Anreisen, Baggern, Bumsen, Abreisen. Das volle Programm greift zuverlässig bei beharrlichen Besuchen des Nachtclubs auf dem Gelände. Auch Frauen meiner Generation erscheinen erst zum Spätaufsteherfrühstück und erzählen glaubhaft von Eroberungen. Männer zwinkern ihnen vom Nebentisch zu. Ich hingegen bin in einer Lücke zwischen den beiden großen B’s gestrandet.

Manches ist auch eine Frage des Timings. Beim Club Med lud mich ein Mann zur Fahrt mit dem Katamaran ein. Das hatte ich noch nie gemacht, also warum nicht mal so ein Abenteuer? Wir segelten weit hinaus. Als das Festland nur noch ein Strich am Horizont war, brach der Mast. Wir schaukelten hilflos auf hohen Wellen, mir wurde bewusst, dass nur ein bisschen fester Stoff zwischen mir und dem tiefen Ozean war. Genau in diesem Moment fragte mich der Fremde, ob ich einen Freund hätte.

Ich habe gelogen. Später wurden wir abgeschleppt.

Brigitte Woman 1/06

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